Eine kleine Papierkunde.

 

Normale Fotopapiere.

Auch mit“einfachen“ und günstigen Fotopapieren kann man mit den heutigen Druckern erstaunliche, zum Teil sogar beeindruckende Ergebnisse erzielen. Wenn die Tinte nicht mit dem Papier harmoniert oder die Druckerrollen hässliche Spuren auf dem Papier hinterlassen, wird es auch nichts mit dem perfekten Druck. Wichtig ist immer das perfekte Zusammenspiel von Papier, Drucker und Tinte , abgestimmt auf das zu druckende Foto / Bild. Auch wenn der Markt überschaubar ist was Tinte und Fotopapiere angeht kann man hier doch eine Menge falsch machen. Das Ergebnis sind dann flaue Drucker mit flachen Farben die dann eher für den Mülleimer als für das Fotoalbum geeignet sind. Eine Einführung zu den verschiedenen Tinten findet ihr hier in Teil 1 meiner Artikelserie Fine Art Drucken. Meinen Artikel Drucken für Anfänger findet ihr hier.

Grundsätzlich unterscheidet man vier verschiedene Papiersorten anhand ihrer Beschichtung: porös, cast coated (Guss gestrichen), mikroporös und quellbar. Nur zwei davon sind für den Fotodruck geeignet nämlich die mikroporösen und die quellbaren. Die Klassiker für Fotos zum Selbstausdrucken sind also Papiere mit quellbaren und mikroporösen Beschichtungen. Die Beschichtung nimmt die Farbe auf. Man spricht dann von Adsorption im Gegensatz zu Absorption, wobei die Farbe im Papiergrundträger aufgenommen wird. Leichte Inkjetmedien wie normales Officepapier verfügen in der Regel über keine Barriere zwischen Beschichtung und dem Trägerpapier. D. h. die Tinte wird direkt von der Basisschicht, dem so genannten Unterstrich, aufgenommen. Meine persönlichen Papierempfehlungen für meinen Epson SC P 800 findet ihr hier. Hier findet ihr normale Fotopapiere genauso wie hochwertige Fine Art Papiere.

  • Quellbare Beschichtung

Fotopapiere verfügen über wasserfeste Barrieren in Form von PE-Folien, das Trägerpapier bleibt trocken und gibt dem Papier als Ganzes halt. Der wesentliche Unterschied der beiden fototauglichen Beschichtungen liegt in der Aufnahme der Tinte. Quellbare Beschichtungen, sind wasserlöslich und -empfindlich. Die Flüssigkeit wird von der Schicht aufgesogen, die daraufhin aufquillt. Beim Trocknen verdunstet das Wasser, die Farbstoffe bleiben, und die Papieroberfläche nimmt wieder an Volumen ab. Die Trockenzeit bei quellbaren Beschichtungen ist länger als bei den mikroporösen. Die Meinungen, wie lang das wirklich ist, gehen auseinander. Manche sprechen von rund 20 Minuten, andere wiederum gehen auf Nummer sicher und lassen bis zu 24 Stunden ins Land streichen, bis der Druck als trocken gilt.

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Solange die Oberfläche noch aufgequollen ist, ist diese sehr empfindlich und bekommt leicht Druckstellen oder Kratzer. Eine weitere Einschränkung ist die relative Unverträglichkeit mit Pigmenttinten. Quellbare Beschichtungen eignen sich für Dye-Tinten, in denen der Farbstoff gelöst ist. Der große Vorteil der quellbaren Beschichtung ist, dass die Farbstoffe in der Polymermatrix eingeschlossen werden. Oxidative Gase wie beispielsweise Ozon haben damit kaum Angriffsfläche. Dye-, sprich Farbstofftinten finden wir eher in der einfacheren Druckerklasse im Einsteigersegment. Der große Nachteil ist die geringe Lichtbeständigkeit dieser Tinten. Das bedeutet unter UV Strahlung verlieren die Farben relativ schnell ihre Brillanz und verblassen.Vorteile sind der höhere Glanzgrad und hoher Farbumfamg.

  • Mikroporöse Beschichtung

Das ist bei den mikroporösen Beschichtungen anders. Auf diesen Papieren wird ebenfalls auf einer PE-Folie zur Sperrung gegen Flüssigkeitseindringen in den Papierträger eine Art Kieselsäure-Beschichtung (Silica) aufgetragen. Wie bei einem Schwamm wird die Tinte durch Kapillarwirkung tief in die Schicht gezogen und lagert sich auf den wie winzige Glaskügelchen gelagerten Kieselsäurebestandteilen ab. Die Oberfläche fühlt sich so sofort trocken an und ist relativ unempfindlich gegen Berührungen. Trotzdem sollten auch diese Papiere eine Zeit lang offen liegen, damit das Wasser verdunsten kann. Wer ein Foto gleich nach dem Druck hinter Glas bringt, wird die Farben ineinander laufen sehen. Wie die Tinte in das Papier eindringt, so dringen auch Gase ein, und die Farbmoleküle sind weniger geschützt.

Die volle Fotoeignung ergibt sich außerdem durch die relative Klarheit der Beschichtung. Die Farbbrillanz ist deshalb sehr gut. Durch die Auswahl der Kieselsäure und evtl. Zusatzmittel wie optische Aufheller wird der Zweck des Papiers festgelegt. Die Hersteller können so mit relativ geringen Kosten Papiere für alle möglichen Zwecke herstellen. Das Auflösungsverhalten der Silicaschicht bestimmt, wie viel Tinte das Papier aufnehmen kann. Ein Mehr an Tinte als das Papier aufnehmen kann, erzeugt keine weiteren Tonwerte und macht das Papier dicht; es kann zu Pfützenbildung kommen. Diese Papiere eignen sich in der Regel sehr gut für Pigmenttinten sprich Feststofftinten. Mein Epson SP C800 Drucker ist ein Drucker der z.B. Pigmenttinten verwendet, diese gelten als extrem Licht – und Alterungsbeständig in Kombination mit dem richtigen Papier. Nachteil ist der etwas kleinere Farb -und Glanzumfang.

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Also für den Fotodruck werden entweder die quellbaren oder die mikroporösen Beschichtungen verwendet, die vom Trägerpapier durch PE-Folien getrennt sind. Die Papierbasis kann so für Stabilität sorgen, und die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur haben unter normalen Umständen wenig Einfluss auf das Verhalten des Papiers. Lediglich in Extremsituationen (wie einer Luftfeuchtigkeit unter 20 Prozent) kann es dazu kommen, dass quellbare Beschichtungen teilweise keine Tinte mehr aufnehmen. Zusammen mit der längeren Trocknungszeit, ihrer Inkompatibilität mit den meisten Pigmenttinten und einem zumindest in früheren Zeiten bestehenden Tintenlimit haben die mikroporösen Papiere den Siegeszug angetreten.

Diese haben zwar auch ihre Probleme, wie einen weniger guten Schutz gegen eindringende Gase oder die Empfindlichkeit der Oberfläche vor dem Druck. Ein Fingernagelabdruck kann dafür sorgen, dass die mikrofeinen Poren an dieser Stelle keine Farbe mehr aufnehmen können. Bei ordnungsgemäßer Handhabung ist dieses Problem aber zu vernachlässigen. Ein Punkt, dem man ebenfalls Beachtung schenken sollte, ist die Grammatur, also das Gewicht des Papiers in Gramm pro Quadratmeter. Bei quellbar beschichteten Papieren liegt dies in der Regel zwischen 120 und 300 g/m², bei den mikroporösen zwischen 170 und 300 g/m². Je schwerer das Papier, desto wertiger wirkt der Druck, allerdings hat so mancher Drucker mit schwerem Papier ein Problem. Wenn Schleifspuren entstehen oder das Papier gar nicht erst eingezogen wird, greift man besser zu leichteren Papieren.

Fine Art Papiere.

PE Papiere sind Massenpapiere (sie entsprechen dem typischen belichteten Photopapier), sind kostengünstig kommen nur in zwei Oberflächen: Glanz oder Pearl/Lustre/Semimatt. Die Bildqualität ist auf diesen Papieren nicht schlechter, als auf Fine Art Papieren. Nur der „Charakter“ ist auf ein Minimum reduziert. Schnell, günstig, universell – passt immer. Ideal für kurzfristige Präsentationen oder Konzepte und als Arbeitskopie. Vielerorts herrscht die Meinung vor, dass Fine Art mit dicken und matten Papieren gleichzusetzen ist. Aber so einfach ist es nicht. Welche Qualitätskriterien echte Fine-Art-Papiere erfüllen müssen und für welche Zwecke man sie am besten einsetzt, werden ich in diesem Artikel schildern. In Teil 1 habe ich mich ja ausgiebig mit den „normalen Fotopapieren“ beschäftigt.

Fine-Art-Papiere sind Künstlerpapiere bzw. leiten sich davon ab. Begonnen hat die Ära der Inkjet-Fine-Art-Papiere ca.1997, als der Papierhersteller Hahnemühle anfing, seine Künstlerpapiere für den Tintenstrahldruck zu beschichten. Nach einem Jahrzehnt feiert Hahnemühle Geburtstag mit einem Portfolio von 24 Medien, die sich für Digitalfotografen eignen. Die Beschichtung der Fine-Art-Papiere ist häufig eine matte poröse Beschichtung. Sie ist von der Zusammensetzung her ähnlich wie die mikroporöse, die für den normalen Fotodruck eingesetzt wird.

Die Schicht, die auf Fine-Art-Papiere aufgetragen wird, ist wesentlich gröber. Sie besteht überwiegend aus Kieselsäure (Silica), Bindemittel und – je nach Anwendung, etwas optischen Aufhellern. Ein großer Unterschied zu normalen Fotopapieren ist die fehlende Sperrschicht zwischen Papierträger und Tintenaufnahmeschicht. Ist die Empfangsschicht übersättigt, dringt die Tinte in die Grundschicht ein, die Farben verlaufen, und das Papier beginnt sich zu wellen (cockling). Um das zu verhindern, sind die Fine-Art-Beschichtungen besonders hoch auflösend. Die naheliegendste Alternative ist eine andere Treibereinstellung für das entsprechende Papier.

  • Haltbarkeit / Weißgrad

Neben der fehlenden Beschichtung gibt es noch weitere Unterschiede zum regulären Fotopapier. An Fine-Art-Papiere wird der Anspruch einer hohen Haltbarkeit gestellt. Aus diesem Grund muss das Papier säure- und ligninfrei sein. Das schützt vor Säurefraß und Vergilben. Das Papier wird daher entweder aus Alpha-Zellulose oder Linters hergestellt (Linters bestehen aus dem Fasermaterial der Samenkapsel der Baumwollpflanze). Ein weiterer wichtiger Punkt bei den Fine-Art-Papieren ist die Verwendung von optischen Aufhellern bzw. deren Nicht-Verwendung. Optischen Aufhellern wird nachgesagt, dass sie schnell verfallen und damit die Optik des Papiers langfristig beeinträchtigen.

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Aus diesem Grund versuchen die Hersteller von Fine-Art-Papieren weitestgehend auf deren Verwendung zu verzichten. Natürlich ist das nicht immer möglich, da viele Fotografen auch hochweiße Papiere wünschen. Es gibt daher naturweiße Papiere, die keine Aufheller besitzen, weiße Papiere mit wenig Aufheller und hochweiße Papiere mit einem Weißgrad von 100 bis 110 Prozent. Bei der Verwendung von Alpha-Zellulose und Linters kann höchstens ein Weißgrad von maximal 95 Prozent erreicht werden. Optische Aufheller sind also nötig, aber in Maßen. Im Falle von Hahnemühle wird der Einsatz von optischem Aufheller bei hochweißen Papieren auf 0,1 bis 0,8 Prozent beschränkt.

Diese werden direkt der Papiersubstanz zugefügt und nicht nur der Tintenaufnahmeschicht wie beim herkömmlichen Fotopapier. Manche Fine Art Puristen lehnen Weißmacher grundsätzlich ab, weil deren Wirkung mit den Jahren nachlässt und das Papier dann an Leuchtkraft verliert (das ist kein vergilben, aber eine vorhersehbare Veränderung zum natürlichen Farbton des Papiers). Wenn das kein Kriterium ist, sollte die Anwendung entscheiden, welches Papier zum Einsatz kommt. Im allgemeinen gilt: Schneebilder sollten nicht auf Warmton-Papieren gedruckt werden und grafische Motive können mehr Kälte vertragen als romantische Motive.

  • Haptik / Glanz

Das, was ein Fine-Art-Papier auf den ersten Blick ausmacht, ist die Optik und die Haptik. Es sollte sich wie ein hochwertiges Künstlerpapier anfühlen, die Struktur muss erkenn- und fühlbar sein und dem Bild einen besonderen „Anmutung“ verleihen. In der Optik gibt es auch im Fine-Art-Segment die Wahl zwischen glatt und stärker strukturiert oder matt, seidenmatt und glänzend. Physikalisch bedingt ist die maximale Farbsättigung oder das maximale Schwarz auf einem matten Papier immer geringer als auf einem glänzenden Papier. Wenn das Bild also mit starken Kontrasten arbeitet oder in den Tiefen feinste Details unterscheidbar bleiben müssen, so ist dies auf einem Papier mit Glanz eher zu erreichen. Matte Papiere spielen Ihre Stärken oft in sanften, samtigen Szenen aus, wo die Weichheit der Oberfläche mit der Bildaussage harmoniert.

Im direkten Vergleich mit Fotopapier wirken die Fine-Art-Kandidaten meist rauer und fusseliger. Das kann bei manchen Druckern zu Problemen beim Papiereinzug führen, wenn Faserteile und anderer Papierabrieb die Transportrollen behindern. In manchen Fällen hilft es, einfach einige Normalpapiere durch den Drucker zu lassen, um den Schmutz abzuführen. Bei den beschichteten Papieren der „Barytklasse“ reichen die Oberflächen von „glatter Glanz“ über „genarbter Glanz“ bis zum „seidenmatten Glanz“, je nachdem welches Basismedium zum Einsatz kam und ob und wie durch die Barytage die Oberfläche geschlossen wurde.

Die Haptik des Papiers wird durch die Dicke bzw. das Volumen beeinflusst. Grammaturen über 300 g/m² sind beim Fine-Art-Printing durchaus üblich. Dieses Papiergewicht ist bei den meisten handelsüblichen Fotodruckern die Obergrenze dessen, was die Druckerhersteller für empfehlenswert halten. Für die „ganz dicken Dinger“ (also Karton) empfiehlt sich entsprechend ein höherwertiger Drucker. Die Auswahl im Bereich bis 300 g/m² ist aber bei den meisten Papierherstellern für Fine-Art-Drucke ausreichend groß, so dass man auch mit dem eigenen Fotodrucker Drucke in Leinwandoptik erstellen kann.

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Für den Umgang mit Fine-Art-Medien gilt es zu beachten, dass Papiere aus Zellulose-Fasern stärker auf Feuchtigkeitsschwankungen reagieren als die mit Baumwollfasern. Eine Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 60 Prozent ist für die Papierlagerung ideal. PE-gesperrte Fotopapiere reagieren auf Luftfeuchtigkeit längst nicht so empfindlich und bleiben stabil. Fine-Art-Papiere müssen außerdem einen großen Farbraum und sattes Schwarz darstellen können, denn das ist es, was die Fine-Art-Papierhersteller sich auf die Fahnen schreiben. Die Farbdichte wird in Dmax angegeben und sollte bei der Druckfarbe Schwarz über 2,5 liegen.

Typische Fine-Art-Papiere sind beispielsweise Kupferdruckpapiere, Leinwand, Baumwollpapiere oder Büttenpapier. Echtes Büttenpapier erkennt man am gerissenen Rand. Für diese hochwertigen Spezialpapiere, die oft den Einsatz eines speziellen Profidruckers wie die HP Designjet-Serie erfordern, bieten viele Hersteller auf ihren Webseiten ICC-Profile für das Farbmanagement an. Diese Dateien enthalten Tabellen, mit deren Werten die Farben der Bilddatei in die Druckfarben umgewandelt und auf die Papieroberfläche angepasst werden sollen. Sobald die Datei in das richtige Verzeichnis kopiert wurde, kann sie in Photoshop unter „Drucken mit Vorschau“ ausgewählt werden. Papiersorte und -qualität müssen laut Vorgaben angepasst und das eigene Farbmanagement abgeschaltet werden. Nur dann kann das ICC-Profil richtig greifen.

Fazit / Zusammenfassung

Ein weites Feld wer sich anfangs mit dem Fine Art Druck beschäftigt sollte tatsächlich vorab ein wenig Theorie studieren. Dieser Bereich der Fotografie ist eine kleine Wissenschaft, wenn man wirklich langfristig perfekte Ergebnisse in Form von ausdrucksstarken Drucken produzieren möchte. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen das sich dieser Aufwand absolut lohnt! Das Ergebnis sind dann wirklich hervorragende und lange haltbare Drucke, die einen immer wieder zum Staunen bringen, was bei sorgfältiger Vorarbeit auf entsprechendem Papier möglich ist!

Meine persönlichen Papierempfehlungen.

Mein Erfahrungsbericht zum Epson SC P 800

Meine Reihe Drucken Fine Art Printing hier.

Mein Artikel Drucken für Anfänger hier.

Der Artikel Drucken High End hier.

 

 

 

 

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